Überschwemmungen, Dürreperioden, Ernteausfälle, verschmutzte Flüsse und steigende Lebensmittelpreise. In ganz Europa sind die Auswirkungen des Klimawandels und der geschädigten Ökosysteme nicht mehr nur eine ferne Bedrohung. Sie sind hier, und sie beeinflussen das Leben und die Lebensgrundlagen der Menschen. Ob Sie nun ein Landwirt in Frankreich sind, der seine Ernte unter der sengenden Sonne verdorren sieht, eine Familie in Deutschland, die mit steigenden Lebensmittelrechnungen konfrontiert ist, oder ein Einwohner in Belgien, der von einer weiteren „Jahrhundertflut“ betroffen ist – der Niedergang der Natur trifft uns alle.
Was viele immer noch nicht wissen, ist, dass eine gesunde Natur einer unserer stärksten Schutzmechanismen ist. Wälder, Feuchtgebiete, Wiesen und Bestäuber sind nicht nur schön – sie sind eine lebenswichtige Infrastruktur. Sie kühlen unsere Städte, schützen unsere Ernten vor Wind und Hitze, reinigen unser Wasser, bestäuben unsere Nahrung und schützen unsere Häuser vor Überschwemmungen. Doch in ganz Europa wird dieses natürliche Sicherheitsnetz geschädigt – und die derzeitigen EU-Investitionen reichen einfach nicht aus, um dies zu stoppen.
Während die EU ihren nächsten langfristigen Haushalt – den mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) für die Zeit nach 2027 – vorbereitet, befinden wir uns an einem Scheideweg. Wird Europa die Ökosysteme, von denen wir alle abhängen, weiterhin unterfinanzieren? Oder wird es endlich erkennen, dass Investitionen in die Natur auch Investitionen in Widerstandsfähigkeit, Ernährungssicherheit und öffentliche Gesundheit sind?
Die Antwort sollte auf der Hand liegen, aber im Moment sind die Anzeichen besorgniserregend.
Trotz langjähriger Verpflichtungen, die im EU-Recht verankert sind – von der Vogelschutz- und der Habitat-Richtlinie, den Eckpfeilern der europäischen Umweltgesetzgebung, bis hin zum kürzlich verabschiedeten Gesetz zur Wiederherstellung der Natur – hinkt die Umsetzung stark hinterher, was vor allem an fehlenden Mitteln liegt. Die Finanzierungslücke ist eindeutig: schätzungsweise 37 Milliarden Euro1 werden jährlich für die Wiederherstellung und den Schutz der Artenvielfalt in Europa benötigt. Im Vergleich zu anderen Säulen des EU-Haushalts ist dies eine bescheidene Summe, vor allem angesichts des direkten, messbaren Nutzens für die Bürger.
Doch in den aktuellen Haushaltsverhandlungen wird die Natur wieder einmal an den Rand gedrängt. Das LIFE-Programm – eines der wirksamsten Instrumente der EU zur Förderung der biologischen Vielfalt – steht trotz seines erwiesenen Erfolgs vor einer ungewissen Zukunft. Auf LIFE entfallen nur 0,3 % des EU-Haushalts, doch die Erträge werden auf mehr als das Zehnfache seiner Kosten geschätzt. Es hat Tausende von Projekten mit großer Wirkung finanziert, die lokale Behörden, Landwirte, Unternehmen und Gemeinden zusammenbringen, um Ökosysteme wiederherzustellen und die Widerstandsfähigkeit zu stärken.
Außerhalb von LIFE beruht die Finanzierung der biologischen Vielfalt auf einem fehlerhaften „Mainstreaming“-Ansatz, bei dem kleine Mittelzuweisungen in größere Fonds wie die Gemeinsame Agrarpolitik oder den Kohäsionsfonds gepresst werden. Aber naturbezogene Ausgaben werden zu oft zugunsten politisch sichtbarerer oder kurzfristigerer Ziele zurückgestuft. Gleichzeitig gibt es nach wie vor schädliche Subventionen, die den ökologischen Fortschritt untergraben und das Erreichen der Klima- und Biodiversitätsziele der EU erschweren.
Wir können es uns nicht leisten, diesen Fehler zu wiederholen.
Der Verlust der Natur ist nicht nur ein Umweltproblem, sondern auch ein wirtschaftliches, soziales und sicherheitspolitisches Problem. Ohne florierende Ökosysteme werden Europas Lebensmittelsysteme, die Wasserversorgung und die öffentliche Gesundheit weiter leiden. Ländliche und städtische Gemeinden werden gleichermaßen mit zunehmender Instabilität konfrontiert sein. Je länger wir zögern, desto höher sind die Kosten.
Organisationen der Zivilgesellschaft in ganz Europa fordern seit langem, dass im EU-Haushalt mehr Mittel für die Natur bereitgestellt werden – und dass das LIFE-Programm eine starke, stabile Zukunft hat. Dies ist der einzige Weg, um die EU-Ziele für die biologische Vielfalt zu erreichen und irreversible ökologische Schäden zu vermeiden.
Investitionen in die Natur bieten eine der höchstmöglichen Renditen – in Form von sauberer Luft, sichereren Gemeinden, widerstandsfähigeren Volkswirtschaften und einem gesünderen Leben.
Dennoch behandelt die EU die Natur weiterhin als optionales Extra; etwas, das finanziert werden muss, wenn etwas übrig bleibt. Diese Logik ist nicht nur kurzsichtig. Sie ist gefährlich.
Es sind nicht die Ideen, die uns ausgehen. Uns geht die Zeit aus – und die Ausreden. Wenn im nächsten EU-Haushalt kein ernsthaftes Geld für die Natur bereitgestellt wird, dann werden nicht nur Ökosysteme aufgegeben. Es sind die Menschen.
Original-Quelle: https://www.birdlife.org/news/2025/06/16/if-the-next-eu-budget-fails-nature-it-will-fail-us-all/
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